Die Trennung der Eltern, Prüfungsängste, Schlafprobleme, Schulschwierigkeiten – wenn Probleme auftreten belastet dies meist die ganze Familie. Wann kommt Kinder und Jugendpsychotherapie ins Spiel? Die Entscheidung professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen ist oft keine leichte. Wann ist der richtige Zeitpunkt? 

Schreien, Schimpfen, um sich schlagen – so verhält sich die neunjährige Amanda immer häufiger. Die Mutter sagt Amanda sei immer schon sehr willensstark gewesen und trotzige Reaktionen sind keine Seltenheit. Mittlerweile muss die Mutter immer öfter in die Schule kommen, Amanda fällt es abends schwer einzuschlafen und morgens möchte sie nicht in die Schule gehen. Nun die Frage: was tun? Was kann helfen? 

Den Weg, den Familien gehen bevor sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen ist meistens ein langer. „Mein Kind ist doch nicht gestört“ oder „Das ist eine Phase und wird sich bessern.“ sind Sätze, die sich Eltern immer wieder sagen. 

Kinder und Jugendpsychotherapie: Die Warnsignale!

Grundsätzlich ist der Weg zur Kinder und Jugendpsychotherapie – zu einem Professionalisten – immer dann angezeigt, wenn bestimmte Problematiken mehrere Lebensbereiche (z.b.: Schule, Freizeit, Freunde, Familienleben usw.) betreffen und das problematische Verhalten sowohl für Eltern und Kind das erträgliche Maß überschritten hat. In der Fachsprache nennen wir das Leidensdruck. 

In Amandas Fall bedeutet das: die Mutter und der Vater befürchten ständig den nächsten Wutausbruch und versuchen mit allen Mitteln möglichst ruhig zu bleiben. So arrangieren sie sich, doch Amandas Ausbrüche werden immer heftiger. Da die Mutter so oft in die Schule gerufen wird, hat sie schon viele Fehltage bei der Arbeit und überlegt die Stunden zu kürzen. Mittlerweile beginnt der Vater die Wutausbrüche auch mit Geschrei zu beantworten. Das Klima in der Familie wird immer gereizter und angespannter. Die Familie entscheidet sich dafür Hilfe zu holen. 

Das Who is Who der “Psyberufe”

Nun steht die nächste große Frage an: wohin sollen wir uns wenden? Haus- oder Kinderarzt? Kinder und Jugendpsychotherapie: Psychologe, Psychotherapeut oder doch Psychiater? Oft ist die erste Anlaufstelle der Hausarzt. Hier bekommen Sie meist Adressen von Psychologen oder Psychotherapeuten in der Nähe. Vereinbaren Sie ein Erstgespräch! 

Psychotherapeuten haben eine Ausbildung absolviert und sind für die Behandlung von „psychosozial oder auch psychosomatisch bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszuständen“ zuständig.

Klinische Psychologen sind meist mit psychologischer Diagnostik mittels verschiedener Tests betraut. Sowohl Psychotherapeuten, als auch Psychologen dürfen keine Medikamente verschreiben. Dies dürfen nur Ärzte, die Psychiater. 

Amandas Eltern sind bei einer Psychotherapeutin gelandet, die auf die Arbeit mit Kindern spezialisiert ist. Beim Erstgespräch waren die Eltern und Amanda gemeinsam in einem Raum voller Spielsachen. Den Eltern fiel es gar nicht so leicht über Amandas Wutausbrüche zu sprechen und sie merkten wie sehr die Wut das Familienleben bestimmt. 

Kinder und Jugendpsychotherapie: Was Eltern tun können – 5 Punkte

  1. Zeigen Sie Bereitschaft mitzuarbeiten. Es kommt nie nur das Kind alleine zur Behandlung! Regelmäßiges Einhalten von Terminen und die Bereitschaft über das eigene Erziehungsverhalten und Familienleben nachzudenken sind besonders wichtig.
  2. Geben Sie Ihrem Kind Raum und Zeit. Eine vertrauensvolle Beziehung zur Psychotherapeutin muss sich erst entwickeln. Fragen Sie ihr Kind über die Therapie nicht aus, lassen Sie es erzählen wenn es möchte.
  3. Beachten Sie die Verschwiegenheitspflicht. Das bedeutet, dass der Psychotherapeut niemandem (auch nicht den Eltern oder der Schule!) Auskunft über die Inhalte der Therapie geben darf.
  4. Kinder spielen in der Psychotherapie. Je nach Alter wird mit dem Kind in der Psychotherapie vor allem gespielt. Durch das kindliche Spiel hat die Psychotherapeutin die Möglichkeit zu erkennen, wo es Problematiken oder Konflikte gibt. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt: Kinder dürfen malen, basteln, gestalten, turnen, bauen, schaukeln, Brett-, Würfel-, oder Rollenspiele spielen.
  5. Seien Sie mutig! Trauen Sie sich Hilfe in Anspruch zu nehmen und sprechen Sie Ihre Ängste an. In einer Psychotherapie geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die Gewinnung von Lebensqualität.

Die Psychotherapeutin hat vorgeschlagen mit Amanda einige Sitzungen zu machen, in denen Amanda alleine mit der Therapeutin ist. Anfangs sind die Eltern verwundert, erzählt Amanda nach der Sitzung immer das „ nur gespielt“ wurde. Nach einigen Sitzungen kommen die Eltern zum Elterngespräch in die Praxis. Die Psychotherapeutin gibt Hinweise woher Amandas Wut kommt und zeigt Möglichkeiten auf wie sie damit umgehen können. Nach und nach stellt sich Beruhigung ein, die Eltern können entspannt mit den Wutausbrüchen umgehen und die Ausbrüche werden seltener. Das Familienleben verläuft harmonischer – und das erleichtert alle ungemein! 

Quellen: Psychotherapiegesetz & Psychologengesetz: https://www.ris.bka.gv.at/

Gastbeitrag von Mag. Sabine Schreckenthaler, BA pth. Psychotherapeutin (Psychoanalyse) & Psychotherapiewissenschafterin

www.psychotherapie1220.at 

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